* Kisuaheli

Interview in der FOS-Show
mit Alina und Herrn Schön
Beitrag zu EineMillionFlaschen
in der Berliner Abendschau (RBB)
Partner 
der 
EineMillionFlaschen 
- Kampagne
Stand der Sammlung:
Datum:       Sa., 12. Jan. 2013
Flaschen:   29.401
Euro:          5.880,20
Besucher seit 08/2012

EMF - Die EineMillionFlaschen-Story   


Im Klassenzimmer

Ich kam in das Klassenzimmer und sah Tim und Vinh, zwei Schüler meiner Klasse, vom Papierkorb auf ihre Plätze flitzen. Ich sah in den Papierkorb. Es lagen zwei Flaschen drin. Ich bückte mich, holte die beiden Flaschen heraus und stellte sie auf den Schrank neben der Tafel. Die Jungsgang in der letzten Reihe lachte, ein, zwei Mädchen kiksten. Ich ging zum Lehrertisch und schwieg. Saida fragte: „Herr Schön, warum machen sie das?“ Ich hätte schweigen können. Ich hätte eine Eloge auf die Wegwerfgesellschaft und die die Missachtung der Arbeit ihrer Eltern anstimmen können. Warum bloß habe ich geantwortet: „Ich sammle Flaschen für eine Schule am Kilimandscharo.“ Einen Augenblick davor wusste ich noch nichts von einer Sammlung für eine Schule am Kilimandscharo. Jetzt stand ich damit da. Wie aus dem Nichts ist eine Idee entstanden und mit der Rettung der beiden Pfandflaschen vor der thermischen Verwertung verfügte sie bereits über 30 Cent. Sie war in der Welt des Klassenzimmers. Wie immer ich mich entscheiden würde, nichts zu tun war keine Option mehr. So ist das: Es ist etwas da, eine gute Idee kommt dazu und dann muss man sich Gedanken machen. Das ist der Kern von Ethik und Philosophie. Die Schüler stellten noch einige Fragen zu der Schule, ich musste ihnen antworten. Wie komme ich da raus – oder rein? Dann kamen zwei Stunden Unterricht. Am Ende entließ ich die Schüler in die Pause. Auf dem Schrank standen nicht zwei, sondern fünf Flaschen. Da war klar: es gibt etwas zu tun!


Erfahrungen

In den Wochen und Monate danach habe ich eine Menge Erfahrungen gemacht, die ein Lehrer so wohl nur selten macht. Ich habe Scherze gemacht, um an Flaschen zu kommen, Schüler waren irritiert von einem Lehrer, der Pfandflaschen sammelt, hin und wieder gar eine aus dem Papierkorb angelt. Schüler haben mit sich gerungen, ob sie eine Flasche spenden und damit auf einen Lolli verzichten. Ich habe Schülerinnen erlebt, die Flaschen im verschlossenen Beutel mitgebracht haben und sie mir heimlich übergaben. Ich habe einen Oberstufenschüler erlebt, der säckeweise Flaschen von seiner Arbeitsstelle mitbrachte, eine Schülerin, die hundert Flaschen sammelte und sie mir zu Weihnachten schenkte. Das sind Schüler, die etwas tun. Etwas tun für eine ein klein wenig bessere Welt. Ich kam mit SchülerInnen ins Gespräch und ich habe den Eindruck gewonnen, wir wissen noch gar nicht, was wir erreichen können.


Ethik - Worum es geht

Am Anfang dachte ich, wir sammeln Flaschen und wenn wir das Ziel nicht erreichen, spenden wir das Geld einer Schule, die bereits existiert. Aber es geht nicht nur um Flaschen. Es geht um individuelle Entscheidungen unserer SchülerInnen. Es geht darum, dass sie sich entscheiden, eine Flasche zu spenden. Es geht darum, dass SchülerInnen damit aus Pfandflaschen Rohstoff für Bildung machen. Es geht darum, eine Million Flaschen zu sammeln, um am Kilimandscharo eine Schule zu bauen. Es geht darum, dass aus zwei Flaschen im Papierkorb Hoffnung für eine bessere Welt entsteht. Und eine bessere Welt ist es nicht das, worum es in der Ethik geht? Und es geht darum, dass eine Schülerin oder ein Schüler, die oder der Pfandflaschen für eine Schule in Afrika spendet, eher nicht zur Rassistin oder zum Rassisten wird. Das sind wir doch: Eine Schule gegen den Rassismus – eine Schule mit Courage!


Stand der Dinge

Jetzt, ein dreiviertel Jahr später, sind aus den fünf Flaschen 10.000 geworden. Die Jungsgangs aus meiner Klasse und den Parallelklassen werfen die Flaschen jetzt in die Sammelbox. Wenn ich durch die Schule gehe, drücken mir SchülerInnen Pfandflaschen und Tüten voller Flaschen in die Hand. Einige bringen sie zum Lehrerzimmer, damit ich sie persönlich entgegen nehmen kann. Andere bringen die Flaschen selbst weg und geben mir das Geld. Und LehrerInnen beteiligen sich. Ich denke, mehr als die Hälfte aller Schüler kennen inzwischen die Kampagne und über 100 machen regelmäßig mit. In einer durchschnittlichen Woche sammeln wir 250 Flaschen. Bei besonderen Anlässen können es auch über 500 werden. Trotz aller Anstrengungen werden wir an der Friedensburg-Oberschule noch 99 Jahre brachen, bis wir das Ziel von einer Million Flaschen erreicht haben. Gentechnik hin, gesunde Lebensweise her, so werde ich den Bau der Schule wohl kaum erleben. Wir brauchen Unterstützung.


Mitmachen

Die meisten finden die Idee etwas verrückt aber irgendwie bestechend. Einige helfen mit Enthusiasmus mit. Die ersten Eltern verbreiten die Idee, Bekannte und Freunde machen mit. Die IHK-Berlin will mitmachen, eine Kirchengemeinde auch. Die Kampagne nimmt Fahrt auf. Wenn jeder Berliner eine Flasche spendet haben wir an einem Tag drei Millionen Flaschen. Wenn zehn Schulen mitmachen schaffen wir es in zehn Jahren. Realistisch ist vielleicht eine Jahreszahl dazwischen.


Themen

Neben dem Sammeln von Flaschen und deren Umtausch in Euro gibt es eine Schülergruppe, die Architekturskizzen und Modelle für die Schule anfertigen. Eine Gruppe gestaltet und betreibt das KiliCafé. Der eine oder die andere SchülerIn gestaltet die Flaschenboxen. In Chemie wird über die Herstellung von PET-Kunstoffflaschen nachgedacht und ihre Verarbeitung zu hochwertigen Fleecejacken untersucht. SchülerInnen übersetzen die EMF-Präsentation in ihre Muttersprache, im Sinne von Sprache ihrer Mutter, denn ihre Erstsprache ist meistens deutsch. Eine Schülerin arbeitet an einem Flaschensong.


Kilimandscharo

Im Schuljahr 2011/12 habe ich ein Sabbatjahr. Zu Beginn war ich mit meiner Patentochter am Kilimandscharo und in einigen anderen Orten Tansanias, um Informationen und vor allem Erfahrungen „vor Ort“ zu sammeln. Wir haben Schulen besucht, unseren Guide und die Porter, die uns auf den Kilimandscharo brachten, interviewed. Einiges von dem, was wir erlebt haben, ist für die Shule am Kilimandscharo relevant. Neben Einblicken in das Bildungssystem (Auf dem Land sind über hundert Schüler in einer Klasse, in der Stadt zwischen 50 und 60 bei miserabler Ausstattung. Es gibt aber auch kirchliche Schulen, in denen die Verhältnisse mit den Berliner Schulen vergleichbar sind.) scheint es, als ob vor allem Frauen und Kirchen als Kooperationspartner in Frage kommen, weil sie zuverlässiger sind als die Alternativen.


Erfolge

Neben dem Videofilm der FOS-Show hat die Berliner Abendschau einen Beitrag über unser Projekt gedreht und gesendet, was unseren Bekanntheitsgrad beträchtlich erhöht hat. Auch durch den RBB-Film haben sich zwei Schulen entschlossen bei der EMF-Kampagne mitzumachen. Und eine Firma. Zum Jahreswechsel 2011/12 werden wir über 18.000 Flaschen gesammelt und damit über 3.600 Euro erlöst haben. Bis zum Ende meines Sabbatjahres möchte ich zehn Schulen zum Mitmachen gewinnen.


Gruß Werner Schön